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Skill-Management in der Dienstplanung: Kompetenzen erfassen, Schichten skill-basiert besetzen

Eine Schicht ist nicht besetzt, wenn genug Namen im Plan stehen, sondern wenn die richtigen Fähigkeiten anwesend sind – und die dafür nötigen Nachweise am Einsatztag gültig sind. Wie Skill-Management diese Frage in prüfbare Besetzungsregeln übersetzt, welche Pflichtquoten dabei je Schicht gelten und wo Betriebsrat und Datenschutz Grenzen ziehen.

Von Dr. Katharina Müller · 29. September 2026 · Quellen am Seitenende

Kurz beantwortet: Skill-Management in der Dienstplanung ist die laufende Erfassung und Pflege der Fähigkeiten, Nachweise und Berechtigungen aller Beschäftigten mit dem Ziel, jede Schicht nicht nur zahlenmäßig, sondern kompetenzgerecht zu besetzen. Es unterscheidet drei Arten von Skills: abgestufte Fähigkeiten (Skill-Level), befristete Nachweise mit Ablaufdatum und formale Berechtigungen. Rechtlich verlangt § 7 ArbSchG, bei der Übertragung von Aufgaben die Befähigung zu berücksichtigen; dazu kommen Pflichtquoten, die sich auf die Anwesenden beziehen – etwa Ersthelfer nach § 26 DGUV Vorschrift 1 (ein Ersthelfer bei 2 bis 20 Anwesenden, darüber 5 Prozent in Verwaltung und Handel, 10 Prozent in sonstigen Betrieben) und Brandschutzhelfer nach ASR A2.2 (in der Regel 5 Prozent, unter Berücksichtigung von Schichtbetrieb und Abwesenheit). Wird die Skill-Erfassung per Software geführt, bestimmt der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mit.
§ 7 ArbSchGBefähigung bei jeder Aufgabenübertragung berücksichtigen
5 % / 10 %Ersthelfer ab 21 Anwesenden – je Schicht, nicht je Belegschaft
2 bis 5 JahreWiederholung der Brandschutzhelfer-Unterweisung laut ASR A2.2

Was Skill-Management in der Dienstplanung leistet

Im Personalmanagement meint Skill-Management meist ein strategisches Vorhaben: Welche Kompetenzen braucht das Unternehmen in drei Jahren, welche fehlen, welche Weiterbildung schließt die Lücke? Die Dienstplanung stellt dieselbe Frage mit sehr viel kürzerem Horizont – für die Frühschicht am kommenden Dienstag. Dort zählt nicht das gesamte Kompetenzprofil einer Person, sondern ein kleiner Ausschnitt: die Fähigkeiten, Nachweise und Berechtigungen, von denen abhängt, ob eine Schicht sicher und fachlich vollständig läuft.

Daraus folgt der wichtigste Gestaltungsgrundsatz: Der Skill-Katalog für die Planung sollte klein sein. Jeder Eintrag muss eine Planungsfrage beantworten – „Darf diese Person heute den Stapler fahren?“, „Ist in der Spätschicht jemand, der die Kasse abrechnen kann?“ – und muss von jemandem gepflegt werden. Einträge, die keine Besetzungsentscheidung beeinflussen, gehören in die Personalentwicklung, nicht in den Dienstplan.

Der rechtliche Ausgangspunkt ist knapp formuliert. Nach § 7 ArbSchG hat der Arbeitgeber bei der Übertragung von Aufgaben zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für Sicherheit und Gesundheitsschutz geltenden Bestimmungen einzuhalten. § 7 DGUV Vorschrift 1 wiederholt das und ergänzt, dass die für bestimmte Tätigkeiten festgelegten Qualifizierungsanforderungen zu berücksichtigen sind. Eine Schichtzuteilung ist eine solche Aufgabenübertragung. Skill-Management ist damit nicht nur Komfort, sondern die dokumentierte Grundlage dafür, dass diese Prüfung stattfindet. Wie aus dem Bedarf die Soll-Besetzung wird, beschreibt der Beitrag Personalbedarf ermitteln; Skill-Management setzt eine Ebene tiefer an und fragt, wer diese Soll-Besetzung fachlich füllen kann.

Drei Arten von Skills – drei Arten von Regeln

Die häufigste Ursache für unbrauchbare Skill-Daten ist, alles in eine Liste mit einer Skala zu schreiben. Für die Planung verhalten sich die Einträge aber grundverschieden, und jede Art braucht eine eigene Regel.

Skill-Arten und ihre Wirkung im Dienstplan
Skill-ArtBeispieleWie erfasstWirkung bei der Besetzung
Fähigkeit (abgestuft)Kommissionierung, Kassenabschluss, Station im Service, MaschinenbedienungSkill-Level auf einer beschriebenen SkalaMindest-Level je Position; Einarbeitung nur zusätzlich zur Soll-Besetzung
Nachweis (befristet)Ersthelfer, Brandschutzhelfer, jährliche Unterweisung, Belehrung nach § 43 IfSGDatum des Nachweises und nächste FälligkeitGültig oder nicht gültig am Einsatztag; Pflichtquote je Schicht
Berechtigung (formal)schriftlicher Fahrauftrag für Flurförderzeuge, Schichtleitung, Kassenschlüssel, SchließberechtigungJa oder nein, mit ausstellender StelleHarte Voraussetzung für bestimmte Rollen; ohne Eintrag keine Zuteilung

Die Trennung hat eine praktische Konsequenz: Nur die erste Art verträgt Ermessen. Ob jemand in der Kommissionierung auf Stufe 2 oder 3 steht, ist eine Einschätzung. Ob ein Ersthelfer-Nachweis gültig ist oder ein schriftlicher Auftrag zum Steuern eines Staplers vorliegt, ist eine Tatsache. Wer beides auf derselben Skala führt, verwischt genau die Einträge, bei denen ein Fehler haftungsrelevant ist. Für Stapler etwa verlangt § 7 Abs. 1 DGUV Vorschrift 68, dass die Person mindestens 18 Jahre alt, geeignet und ausgebildet ist, ihre Befähigung nachgewiesen hat und schriftlich beauftragt wurde.

Skill-Level-Skalen: welche Skala wofür

Für abgestufte Fähigkeiten stellt sich die Frage nach der Skala. Es gibt keine gesetzliche oder normierte Vorgabe; entscheidend ist, wofür die Stufen verwendet werden. Drei Varianten sind verbreitet.

Skalen für Skill-Level im Vergleich
SkalaStufenStärkeSchwächeGeeignet für
Binärkann / kann nichtschnell gepflegt, eindeutigunterscheidet nicht zwischen Einarbeitung und Routinekleine Teams, wenige Positionen
Dreistufigin Einarbeitung · selbstständig · kann anleiten und vertretendeckt die drei Planungsfragen direkt abzu grob für EntwicklungsgesprächeDienstplanung, Vertretungsregeln
Fünfstufigangelehnt an Dreyfus: Neuling bis Expertefein genug für PersonalentwicklungStufen 3 bis 5 werden in der Praxis uneinheitlich vergebenKompetenzentwicklung, Laufbahnplanung

Das Stufenmodell der Brüder Stuart und Hubert Dreyfus, 1980 in einem Bericht für die US-Luftwaffe vorgestellt und später ausgearbeitet, beschreibt den Kompetenzerwerb vom regelgebundenen Neuling bis zum intuitiv handelnden Experten. Es ist ein Modell der Personalentwicklung. Für die Besetzung einer Schicht reichen drei Fragen: Darf die Person allein arbeiten? Muss jemand danebenstehen? Kann sie jemanden anleiten oder die Schicht führen? Eine dreistufige Skala beantwortet genau das. Wer im HR-System bereits fünf Stufen führt, kann sie für die Planung zusammenfassen, statt eine zweite Skala zu pflegen.

Wichtiger als die Zahl der Stufen ist ihre Beschreibung. Jede Stufe braucht einen Satz, der beobachtbares Verhalten beschreibt („schließt die Kasse ohne Rückfrage ab und klärt Differenzen selbst“), und eine festgelegte Zuständigkeit für die Vergabe. Ohne beides bedeutet dieselbe Stufe in zwei Filialen Verschiedenes. Diese Beschreibungen sind zugleich der Punkt, an dem der Betriebsrat ins Spiel kommt – dazu unten mehr.

Beispiel-Skillset: Lager im Drei-Schicht-Betrieb

Das folgende Skillset zeigt, wie ein planungstauglicher Katalog aussieht. Es ist bewusst kurz gehalten: neun Einträge, jeder mit Art, Grundlage und einer prüfbaren Regel. Die Werte sind ein illustratives Beispiel für ein Logistiklager, keine Vorgabe.

Beispiel-Skillset für ein Lager mit Früh-, Spät- und Nachtschicht
SkillArtGrundlageGültigkeit oder LevelBesetzungsregel
ErsthelferNachweis§ 26 DGUV Vorschrift 1Fortbildung in der Regel alle 2 JahreMindestzahl je Schicht nach Anwesenden (10 % bei über 20)
BrandschutzhelferNachweisASR A2.2 Abschnitt 7.3Wiederholung nach Gefährdungsbeurteilung, Hinweis: 2 bis 5 JahreMindestens einer je Schicht, Gesamtpool mindestens 5 % der Beschäftigten
Unterweisung ArbeitsschutzNachweis§ 12 ArbSchG, § 4 DGUV Vorschrift 1mindestens jährlich, dokumentiertohne gültige Unterweisung keine Zuteilung
StaplerfahrenBerechtigung§ 7 DGUV Vorschrift 68schriftlicher Auftrag, ab 18 JahrenPosition „Stapler“ nur mit Auftrag; je Schicht so viele wie Staplerpositionen
KommissionierungFähigkeitbetrieblichLevel 1 bis 3Level 2 für reguläre Position; Level 1 nur zusätzlich
WareneingangsprüfungFähigkeitbetrieblichLevel 1 bis 3mindestens eine Person Level 2 in jeder Schicht mit Anlieferung
Lagerverwaltungssystem SonderbuchungenFähigkeitbetrieblichLevel 1 bis 3mindestens eine Person Level 3 je Tag, Nachtschicht mit Rufbereitschaft
SchichtleitungBerechtigungbetriebliche Bestellungja oder neingenau eine Person je Schicht
Einarbeitung neuer KräfteFähigkeitbetrieblichLevel 3 in der betreffenden Tätigkeitje Person in Einarbeitung eine anleitende Person in derselben Schicht

Zwei Dinge fallen auf. Erstens sind mehr als die Hälfte der Einträge Nachweise und Berechtigungen, die nichts mit „Können“ im Alltagssinn zu tun haben, aber die Planung am härtesten binden. Zweitens beziehen sich mehrere Regeln auf Kopplungen – eine Person in Einarbeitung braucht eine anleitende Person in derselben Schicht. Solche Paarregeln sind der Grund, warum Skill-Management in der Planung mehr ist als ein Filter über die Namensliste. Wie Mindestbesetzungen als Regeln formuliert werden, erklärt das Lexikon unter Besetzungsregel.

Pflichtquoten je Schicht berechnen

Der Kern des Problems steckt in einem Wort in § 26 Abs. 1 DGUV Vorschrift 1: Die Zahl der Ersthelfer richtet sich nach den anwesenden Versicherten. Ein Betrieb mit 90 Beschäftigten, die sich auf drei Schichten verteilen, erfüllt die Pflicht nicht dadurch, dass irgendwo in der Belegschaft neun Ersthelfer existieren. Die Quote muss in jeder Schicht erfüllt sein – und damit ist sie eine Aufgabe des Dienstplans, nicht der Personalakte. Da es sich um Mindestzahlen handelt, wird aufgerundet.

Rechenbeispiel: Pflichtquoten je Schicht in einem Lager (sonstiger Betrieb, 10 % Ersthelfer)
SchichtAnwesendeErsthelfer nach § 26 DGUV V1Brandschutzhelfer (Richtwert 5 %)
Frühschicht464,6 → 52,3 → 3
Spätschicht323,2 → 41,6 → 2
Nachtschicht121 (2 bis 20 Anwesende)0,6 → 1
Summe je Tag90106

Für einen Handels- oder Verwaltungsbetrieb gilt über 20 Anwesenden die niedrigere Quote von 5 Prozent: Eine Filiale mit 26 Personen in der Samstagsschicht braucht zwei Ersthelfer, am Dienstagvormittag mit 14 Personen einen. Bei der Brandschutzhilfe ist die ASR A2.2 weniger schematisch: Die Zahl ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, 5 Prozent der Beschäftigten gelten als Regelwert, und Absatz 3 verlangt ausdrücklich, Schichtbetrieb und Abwesenheiten durch Fortbildung, Urlaub und Krankheit zu berücksichtigen. Die Umrechnung auf einzelne Schichten in der Tabelle ist eine planerische Umsetzung dieses Absatzes; die verbindliche Zahl legt die Gefährdungsbeurteilung fest.

Die Tabelle zeigt die Mindestbesetzung am Einsatztag. Der Pool ausgebildeter Personen muss größer sein. Wer zehn Ersthelfer je Tag braucht, muss Urlaub, Krankheit und Freischichten einrechnen – bei einer Fünf-Tage-Woche und sieben Betriebstagen ist schon ohne Krankheit nicht jede ausgebildete Person an jedem Tag da, der Bedarf an ausgebildeten Personen liegt also deutlich über zehn. Das Vorgehen entspricht der Rechnung vom Brutto- zum Netto-Personalbedarf im Beitrag Ausfallzeiten und Krankenstand einplanen, nur für eine einzelne Qualifikation.

Ablaufdaten: vom Stichtag zur Planungsgröße

Befristete Nachweise laufen ab, ob jemand daran denkt oder nicht. Für die Dienstplanung sind drei Festlegungen wichtig. Erstens eine Vorwarnfrist, die länger ist als der Planungshorizont plus die Wartezeit auf einen Schulungstermin: Wer vier Wochen im Voraus plant und acht Wochen auf einen Kursplatz wartet, braucht eine Vorwarnung von mindestens drei Monaten. Zweitens wird die Schulung selbst als Abwesenheit in den Plan eingetragen – ein Ersthelfer-Kurs am Frühschichttag fehlt sonst doppelt, einmal in der Besetzung und einmal in der Quote. Drittens muss feststehen, was am Tag nach dem Ablauf geschieht: Ein abgelaufener Nachweis sollte die Person für die betroffene Rolle sperren, nicht nur eine Warnung erzeugen, die sich überklicken lässt.

Wird die Quote durch einen Ablauf unterschritten, ist das kein Randfall, sondern ein Planungskonflikt wie eine Ruhezeitverletzung. Er gehört in dieselbe Konfliktliste, die vor der Freigabe des Plans abgearbeitet wird.

Skill-basierte Schichtbesetzung in der Praxis

Skill-basierte Besetzung heißt, die Zuteilung in einer festen Reihenfolge zu prüfen: zuerst die harten Voraussetzungen (Berechtigung vorhanden, Nachweis gültig), dann die Pflichtquoten der Schicht, dann das Mindest-Level je Position, zuletzt weiche Kriterien wie Wünsche, Fairness und Entwicklung. Die Reihenfolge verhindert, dass eine gute Präferenzlösung eine fehlende Pflichtqualifikation verdeckt.

Umgekehrt gilt: Nicht jede Fähigkeit darf zur harten Sperre werden. Wer alle Skills als Muss-Kriterium hinterlegt, bekommt Pläne, die sich nicht mehr lösen lassen, und Planende, die die Regeln abschalten. Hart sind Nachweise, Berechtigungen und gesetzliche Quoten; Skill-Level sind in der Regel Mindestanforderungen je Position mit einer dokumentierten Ausnahme, wenn niemand verfügbar ist. Wie Software solche Regeln bei der automatischen Verteilung berücksichtigt und wo Menschen entscheiden müssen, behandelt die Seite Automatische Dienstplanung.

Zwei Effekte werden oft übersehen. Der erste ist die Ein-Personen-Abhängigkeit: Gibt es für eine Tätigkeit nur eine Person auf Stufe 3, ist jede Abwesenheit dieser Person ein Besetzungsproblem. Skill-Management macht solche Engpässe sichtbar, bevor sie im Plan auftauchen. Der zweite ist eine Fairnessfrage: Wer viele Skills hat, wird besonders oft für ungünstige Schichten gebraucht, weil nur er die Quote erfüllt. Eine gezielte Qualifizierung weiterer Personen entlastet deshalb nicht nur die Planung, sondern auch die am besten qualifizierten Beschäftigten. Wie Einarbeitung und Übergaben zwischen Schichten sauber dokumentiert werden, zeigt der Beitrag Schichtübergabe digitalisieren.

Mitbestimmung: vier Anknüpfungspunkte

Skill-Management berührt die Mitbestimmung an mehreren Stellen, und nicht jede ist offensichtlich.

Mitbestimmungsrechte beim Skill-Management
VorschriftGegenstandBezug zum Skill-Management
§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVGtechnische Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung bestimmt sindSoftware, die Skill-Level speichert und auswertet; nach BAG 1 ABR 7/15 genügt die objektive Eignung zur Überwachung
§ 94 Abs. 2 BetrVGAufstellung allgemeiner Beurteilungsgrundsätzedie beschriebenen Stufen und Kriterien, nach denen Skill-Level vergeben werden
§§ 96 bis 98 BetrVGBerufsbildungsbedarf, Einführung und Durchführung betrieblicher BildungsmaßnahmenSchulungen, die aus erkannten Skill-Lücken folgen; Vorschlagsrecht zu Teilnehmenden nach § 98 Abs. 3
§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVGBeginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Verteilung auf die Wochentagedie Schichtplanung selbst, in die die Skill-Regeln einfließen

Praktisch am wichtigsten ist § 94 Abs. 2 BetrVG. Werden Skill-Level nach einheitlichen, schriftlich beschriebenen Kriterien vergeben, spricht viel dafür, dass es sich um allgemeine Beurteilungsgrundsätze handelt – deren Aufstellung bedarf der Zustimmung des Betriebsrats. Der sinnvollste Weg ist eine Betriebsvereinbarung, die Skill-Katalog, Skala, Vergabeverfahren, Zugriffsrechte, Löschfristen und das Verbot der Nutzung für Leistungsvergleiche zusammen regelt. Einen Überblick über die übrigen Mitbestimmungsrechte bei der Dienstplanung gibt der Beitrag Dienstplanung und Betriebsrat.

Datenschutz: was in den Skill-Katalog gehört

Skill-Daten sind personenbezogene Beschäftigtendaten. Als Rechtsgrundlage kommen vor allem Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Durchführung des Arbeitsverhältnisses) und lit. c (rechtliche Verpflichtung, etwa zur Bereitstellung von Ersthelfern) in Betracht, daneben eine Betriebsvereinbarung nach Art. 88 DSGVO. Auf § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG sollte man sich nicht mehr stützen: Nach dem Urteil des EuGH vom 30.03.2023 (C-34/21) zu einer gleichlautenden hessischen Regelung hat das Bundesarbeitsgericht am 08.05.2025 (8 AZR 209/21) entschieden, dass die Vorschrift die Anforderungen von Art. 88 DSGVO nicht erfüllt und unangewendet bleibt. Ein eigenes Beschäftigtendatengesetz gibt es nicht; ein Entwurf vom Oktober 2024 wurde nicht verabschiedet (Stand September 2026).

Daraus ergeben sich vier Regeln. Erstens Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO: Für die Planung genügt, ob ein Nachweis gültig ist und bis wann – nicht das Zertifikat mit Prüfungsnote. Zweitens keine Gesundheitsdaten im Skill-Katalog: Diagnosen fallen unter Art. 9 DSGVO; für die Planung reicht ein neutraler Vermerk wie „nicht für Nachtschicht einplanen“. Drittens getrennte Sichtbarkeit: Planende sehen den Status, die Personalabteilung den Nachweis. Viertens keine Echtdaten im Probebetrieb, wenn Testdaten genügen – genau darum ging es im genannten BAG-Fall, in dem Beschäftigtendaten über das vereinbarte Maß hinaus in ein Testsystem übertragen worden waren.

Sieben typische Fehler

  1. Zu großer Katalog. Hundert Skills, von denen zehn gepflegt werden. Besser zwanzig, die alle aktuell sind.
  2. Nachweise als Skill-Level geführt. Ein Ersthelfer „auf Stufe 3“ ohne Datum sagt nichts über die Gültigkeit am Einsatztag.
  3. Quote je Belegschaft statt je Schicht. Zehn Ersthelfer im Betrieb helfen nicht, wenn alle in der Frühschicht arbeiten.
  4. Kein Puffer im Pool. Die Mindestzahl wird genau erfüllt; der erste Urlaub reißt die Quote.
  5. Selbsteinschätzung als einzige Quelle. Ohne Abgleich mit der Führungskraft driften die Stufen auseinander.
  6. Alles hart geschaltet. Jede Fähigkeit wird zur Sperre, der Plan wird unlösbar, die Regeln werden abgeschaltet.
  7. Betriebsrat erst bei der Einführung. Skala und Vergabekriterien stehen schon fest, obwohl sie nach § 94 Abs. 2 BetrVG zustimmungspflichtig sein können.

Worauf es bei der Software ankommt

Eine Dienstplanungssoftware trägt Skill-Management, wenn sie fünf Dinge kann: Qualifikationen je Person mit Gültigkeitsdatum führen, Mindestanforderungen je Schicht oder Position hinterlegen, Verstöße vor der Freigabe als Konflikt anzeigen, Schulungen als Abwesenheit abbilden und Zugriffsrechte nach Rolle trennen. Bei der Auswahl lohnt es, diese Punkte als prüfbare Anforderungen zu formulieren und mit echten Beispieldaten in einer Teststellung durchzuspielen; wie das aussieht, beschreibt der Beitrag Lastenheft für Dienstplanungssoftware.

Aplano führt Qualifikationen und Personalakten im Pro-Tarif (4,50 € je Mitarbeiter und Monat netto), zusammen mit automatischer Schichtplanung, Zeiterfassung und Auswertungen; Abwesenheiten und Schichtvorlagen sind ab dem Basic-Tarif enthalten. Ob die Qualifikationslogik die eigenen Pflichtquoten und Ablaufregeln so abbildet wie hier beschrieben, sollte im 14-tägigen Test ohne Kreditkarte mit einer echten Planungswoche geprüft werden. Auf Capterra hat Aplano 4,8 von 5 Punkten bei 113 Bewertungen, auf OMR Reviews 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen (Stand Juli 2026). Die Einordnung neben anderen Lösungen steht im Software-Vergleich, die Preise im Detail unter Kosten.

Zitierfähige Antwort: Skill-Management in der Dienstplanung verknüpft die Fähigkeiten, Nachweise und Berechtigungen der Beschäftigten mit Besetzungsregeln je Schicht. Abgestufte Fähigkeiten werden auf einer beschriebenen Skala geführt – für die Planung genügen meist drei Stufen –, befristete Nachweise mit Ablaufdatum und formale Berechtigungen als Ja-Nein-Eintrag. Pflichtquoten beziehen sich auf die Anwesenden: Nach § 26 DGUV Vorschrift 1 ist bei 2 bis 20 Anwesenden ein Ersthelfer nötig, darüber 5 Prozent in Verwaltung und Handel und 10 Prozent in sonstigen Betrieben; Brandschutzhelfer sind nach ASR A2.2 in der Regel mit 5 Prozent unter Berücksichtigung von Schichtbetrieb und Abwesenheit vorzusehen. Wird die Skill-Erfassung per Software geführt, gelten § 87 Abs. 1 Nr. 6 und § 94 Abs. 2 BetrVG.

Häufige Fragen

Was ist Skill-Management in der Dienstplanung?

Skill-Management in der Dienstplanung ist die laufende Erfassung, Pflege und Nutzung der Fähigkeiten, Nachweise und Berechtigungen der Beschäftigten als Bedingung für die Schichtbesetzung. Es beantwortet je Schicht nicht nur, ob genug Personen da sind, sondern ob die richtigen Kompetenzen in ausreichender Zahl und mit gültigem Nachweis anwesend sind. Rechtlicher Ausgangspunkt ist § 7 ArbSchG: Bei der Übertragung von Aufgaben muss der Arbeitgeber die Befähigung der Beschäftigten berücksichtigen.

Wie viele Ersthelfer müssen pro Schicht anwesend sein?

§ 26 Abs. 1 DGUV Vorschrift 1 knüpft an die anwesenden Versicherten an: bei 2 bis 20 Anwesenden ein Ersthelfer, bei mehr als 20 Anwesenden 5 Prozent in Verwaltungs- und Handelsbetrieben und 10 Prozent in sonstigen Betrieben, in Kindertageseinrichtungen einer je Kindergruppe. Weil die Zahl der Anwesenden je Schicht schwankt, ist die Quote für jede Schicht einzeln zu erfüllen; da es sich um Mindestzahlen handelt, wird aufgerundet. Ersthelfer werden in der Regel alle zwei Jahre fortgebildet.

Wie viele Brandschutzhelfer braucht ein Betrieb mit Schichtbetrieb?

Nach ASR A2.2 Abschnitt 7.3 ergibt sich die Zahl aus der Gefährdungsbeurteilung; ein Anteil von 5 Prozent der Beschäftigten ist in der Regel ausreichend, bei erhöhter Brandgefährdung, vielen Personen oder großer Ausdehnung auch mehr. Ausdrücklich zu berücksichtigen sind Schichtbetrieb und Abwesenheiten durch Fortbildung, Urlaub und Krankheit. Die Unterweisung mit Löschübung wird nach dem Hinweis der ASR bei normaler Brandgefährdung in Abständen von zwei bis fünf Jahren wiederholt.

Welche Skill-Level-Skala eignet sich für die Dienstplanung?

Für die Besetzung genügt meist eine dreistufige Skala: in Einarbeitung, selbstständig, kann anleiten oder vertreten. Feinere fünfstufige Skalen nach dem Stufenmodell von Dreyfus eignen sich eher für Personalentwicklung. Nachweise wie Ersthelfer- oder Staplerschein gehören nicht auf eine Skala, sondern werden mit Gültigkeitsdatum als gültig oder abgelaufen geführt.

Muss der Betriebsrat beim Skill-Management mitbestimmen?

In der Regel ja, auf mehreren Wegen. Eine Software, die Skill-Bewertungen speichert und auswertet, ist objektiv zur Leistungsüberwachung geeignet und fällt unter § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Die Kriterien, nach denen Skill-Level vergeben werden, können allgemeine Beurteilungsgrundsätze nach § 94 Abs. 2 BetrVG sein. Für Schulungen aus erkannten Skill-Lücken gelten die §§ 96 bis 98 BetrVG, für die Schichtverteilung selbst § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG.

Welche Skill-Daten darf der Arbeitgeber speichern?

Zulässig sind Daten, die für die Durchführung des Arbeitsverhältnisses oder zur Erfüllung rechtlicher Pflichten erforderlich sind (Art. 6 Abs. 1 lit. b und c DSGVO), etwa Nachweise, die eine Tätigkeit voraussetzt, und die Einsatzfähigkeit für bestimmte Aufgaben. § 26 Abs. 1 Satz 1 BDSG ist nach BAG 8 AZR 209/21 vom 08.05.2025 nicht mehr anzuwenden. Gesundheitsdaten wie Diagnosen gehören nicht in den Skill-Katalog; für die Planung genügt ein neutraler Vermerk über eine Einsatzbeschränkung.

Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Quellen und Stand

  1. § 7 ArbSchG und § 12 ArbSchG – Befähigung bei der Übertragung von Aufgaben, Unterweisung.
  2. DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ – § 4 (Unterweisung mindestens jährlich), § 7 (Befähigung für Tätigkeiten), § 26 (Zahl und Ausbildung der Ersthelfer, Fortbildung in der Regel alle zwei Jahre).
  3. ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“, Ausgabe Mai 2018, zuletzt geändert GMBl 2025 S. 365 – Abschnitt 7.3 Brandschutzhelfer.
  4. DGUV Vorschrift 68 „Flurförderzeuge“ – § 7 Auftrag zum Steuern von Flurförderzeugen.
  5. § 87 BetrVG, § 94 BetrVG, § 96 BetrVG, § 97 BetrVG und § 98 BetrVG – Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen, Beurteilungsgrundsätzen und Berufsbildung.
  6. BAG, Beschluss vom 13.12.2016 – 1 ABR 7/15 – objektive Eignung zur Überwachung genügt für § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.
  7. EuGH, Urteil vom 30.03.2023 – C-34/21 – Anforderungen an nationale Regeln zum Beschäftigtendatenschutz nach Art. 88 DSGVO.
  8. BAG, Urteil vom 08.05.2025 – 8 AZR 209/21 – § 26 Abs. 1 BDSG bleibt unangewendet; Übermittlung von Echtdaten in ein Testsystem.
  9. Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) – Art. 5, 6, 9 und 88.
  10. Dreyfus, S. E.; Dreyfus, H. L.: A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition, Bericht für die US Air Force, 1980.
  11. Aplano Produktinformationen und Preise, Stand Juli 2026; Bewertungen auf Capterra und OMR Reviews, Stand Juli 2026.

Redaktionell geprüft am 29. September 2026. Skillset und Rechenbeispiel sind Illustrationen, keine branchenverbindlichen Werte; maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung, Unfallversicherungsträger und Betriebsvereinbarung. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Praxishilfe und ersetzt keine Rechtsberatung.

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